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Grippesaison 2026: Impfstoffe stark verändert – was jetzt auf uns zukommen könnte.H

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt für viele Menschen die Zeit, in der der Griff zum Impfpass wieder aktuell wird. Der Herbst steht vor der Tür, und mit ihm rückt die Frage nach dem besten Schutz gegen die Grippe erneut in den Vordergrund.

Grippesaison 2026: Impfstoffe stark verändert – was jetzt auf uns zukommen könnte

Doch nicht jeder ist sich sicher, ob eine Impfung wirklich notwendig ist oder wie groß das Risiko in der kommenden Saison tatsächlich sein wird.

Jahr für Jahr taucht das Thema Grippeschutzimpfung in den öffentlichen Diskussionen auf. Während einige Menschen fest auf den regelmäßigen Piks vertrauen, bleiben andere skeptisch oder lassen die Impfung aus.

Die Empfehlungen der Fachleute und Behörden ändern sich dabei kaum – doch in diesem Jahr gibt es eine Besonderheit: Die Impfstoffe für die bevorstehende Grippesaison sind umfassend angepasst worden.

Warum die Grippeimpfung jährlich erneuert wird

Grippeviren, auch Influenzaviren genannt, sind berüchtigt für ihre ständige Wandlungsfähigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Viren verändern sich die Oberflächenstrukturen der Grippeviren fortlaufend. Diese Veränderungen, die sogenannte Antigenität, erfordern, dass die Impfstoffe jedes Jahr neu zusammengestellt werden.

Die Hersteller richten sich hierbei nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Ausschuss für Humanarzneimittel bei der Europäischen Arzneimittelagentur. Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) erklärt, werden die Impfstoffe jeweils an die Virusstämme und -varianten angepasst, die voraussichtlich in der kommenden Saison weltweit zirkulieren.

Meist wird bereits im Februar eine Prognose für die dominierenden Viren im folgenden Winter getroffen.

Größere Veränderungen bei den Impfstoffen für 2026/2027

Für die Grippesaison 2026/2027 sind die Anpassungen umfangreicher als sonst ausgefallen. Nach Angaben des PEI wurden alle drei in den Impfstoffen enthaltenen Virusstämme überarbeitet. Hintergrund ist, dass sich die Erkennbarkeit der Viren für das Immunsystem durch die Impfung, die sogenannte Antigenität, deutlich verändert hat.

Experten haben bei den zirkulierenden Viren im Vergleich zu den bisherigen Impfstoffreferenzen erhebliche Unterschiede festgestellt. Leif-Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin an der Charité, erläutert: “Alle drei Stämme haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt.

Ziel der Anpassung ist es, den Impfstoff optimal auf die aktuellen Viren abzustimmen.”

Was bedeuten die neuen Impfstoffe für den Verlauf der Grippesaison?

Doch führen die umfassenden Anpassungen der Impfstoffe automatisch zu einer besonders heftigen Grippewelle? Diese Schlussfolgerung zieht Sander nicht. “Ich würde daraus nicht primär schließen, dass wir eine viel stärkere Grippesaison bekommen”, sagt er. Im vergangenen Jahr sind bereits viele Menschen mit der neuen Influenza-Variante A(H3N2), Subklade K, in Kontakt gekommen.

Zudem wurde der aktuelle Impfstoff gezielt auf diese Variante abgestimmt. Trotz vieler Erkrankungen und einer starken Auslastung der Krankenhäuser sei die Saison insgesamt nicht außergewöhnlich schwer verlaufen. Auch auf der Südhalbkugel, wo der Winter gerade zu Ende geht, war die Grippesaison nicht besonders ausgeprägt.

Wie schwer eine Grippesaison verläuft, lässt sich im Vorfeld nicht vorhersagen, betont das PEI. Der Grad des Impfschutzes hängt davon ab, wie gut die Impfstoffzusammensetzung zu den tatsächlich zirkulierenden Viren passt. Darüber hinaus spielen das Alter der geimpften Personen sowie frühere Infektionen oder Impfungen eine Rolle.

Der Schutz durch die Impfung nimmt mit der Zeit ab, sodass auch das Infektionszeitpunkt eine wichtige Rolle spielt. Dennoch können auch weniger wirksame Impfstoffe viele Krankheitsfälle verhindern, und bei Geimpften verlaufen Influenza-Infektionen meist milder.

Keine Entwarnung trotz moderater Erwartungen

Obwohl keine besonders schwere Grippewelle erwartet wird, raten Fachleute weiterhin zur Vorsicht. “Die Grippewelle kommt immer, da kann man im Grunde die Uhr danach stellen. Jedes Jahr sterben viele Leute daran und es führt immer zu einer hohen Krankheitslast”, betont Sander.

“Aber wir erwarten nicht, dass dieses Jahr eine besonders dramatische Grippewelle auf uns zurollt.” Die Grippe bleibt auch mit angepasstem Impfstoff eine ernstzunehmende Erkrankung, die jedes Jahr viele Menschen betrifft.

Für wen die Grippeimpfung empfohlen wird

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Grippeschutzimpfung vor allem für bestimmte Risikogruppen. Dazu zählen Menschen ab 60 Jahren, Personen mit chronischen Vorerkrankungen, Schwangere sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Auch Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen – etwa chronischen Erkrankungen der Atemwege, Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenleiden sowie Adipositas – sollten sich laut Stiko impfen lassen.

Allerdings sind die Impfraten bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen weiterhin zu niedrig.

In der Saison 2024/25 waren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) lediglich 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft. Über die Hälfte dieser Altersgruppe verfügte somit über keinen Impfschutz. Sander hebt hervor, dass die EU eine Impfquote von 75 Prozent anstrebt, Deutschland aber regelmäßig deutlich darunter liegt.

“Die Anpassung der Impfstoffe ist wichtig, aber vor allem brauchen wir eine bessere Impfquote.” Im europäischen Vergleich schneiden andere Länder besser ab: Im Durchschnitt erreichte die EU in der Saison 2022/23 bei Personen ab 65 Jahren eine Impfquote von 47 Prozent.

Aktuelle Lage bei Atemwegsinfekten

Momentan verzeichnet das RKI eine moderate Anzahl akuter Atemwegsinfektionen. Diese werden hauptsächlich durch Erkältungsviren wie Rhinoviren, Parainfluenzaviren und Enteroviren ausgelöst. Die Belastung durch Coronaviren (SARS-CoV-2), gemessen im Abwasser, bleibt weiterhin niedrig, wenngleich seit einigen Wochen ein leichter Anstieg beobachtet wird.

Auch bei den Influenzaviren ist ein leichter Zuwachs festzustellen, wie der aktuelle Wochenbericht des RKI zu akuten respiratorischen Erkrankungen zeigt.

Während die genaue Entwicklung der kommenden Grippesaison weiterhin offen bleibt, stehen die Zeichen auf einen verbesserten Impfschutz dank der umfassend angepassten Impfstoffe. Entscheidend wird sein, wie viele Menschen das Angebot einer Impfung wahrnehmen und wie gut der Impfstoff mit den tatsächlich zirkulierenden Viren übereinstimmt.

Quelle: n-tv.de

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